Kunsttheoretisches Konzept der Abstrakten Figurationen

In diesem kurzen Exposé möchten wir das kunsttheoretische Konstrukt der Abstrakten Figurationen (Kombination von abstrahierten Zeichen und Figuren) operationalisieren. Die Indikatoren und latenten Variablen dafür sind:

  • Symbolischer Interaktionismus (Handlungstheorie),
  • Gestik (kommunikative Bewegungen),
  • Semiotik (Zeichensysteme, Zeichenprozesse),
  • Projektionen (Übertragung innerer psychischer Vorgänge in die Außenwelt) und
  • Identifizierung (Feststellung der Gleichheit) mit den sozialen Interaktionen (Aufeinander bezogenes Handeln und Einwirken von mindestens zwei Akteuren).

Abstrakte Figurationen per definitionem:

  • Abstrakte Figurationen sind Bilder oder Bildsequenzen mit inszenierten und dramatisierten horizontalen und vertikalen sozialen Interaktionen und psychologisch determinierten Beziehungen.
  • Ein komplexer Interpretationsprozess erzeugt und prägt die Bedeutung der Abstrakten Figurationen für den Rezipienten (Empfänger von Kommunikationsbotschaften).
  • Die Bedeutung der Themeninszenierungen begründet sich und entsteht dabei allein dadurch, wie der Rezipient das Wahrgenommene einschätzt, interpretiert und welche Art von Handlungslinien er daraus persönlich für sich ableitet.
  • Dieser Prozess führt dazu, dass die Abstrakten Figurationen vornehmlich um ihrer selbst willen rezipiert werden. Sie weisen damit nicht mehr allein nur auf rationale oder emotionale Interaktionsprozesse hin, sondern auch auf ihre Möglichkeitsumstände und damit auf den gesamt gesellschaftlichen Zusammenhang sozialer Interaktionen und psychologischer Beziehungen.

Siehe als Ergänzung Exposé: Ertel H.J.H., Ertel U. (2005), , München, P.I. Press.

Symbolischer Interaktionismus

Künstlerische Grundlage der Abstrakten Figurationen ist der Symbolische Interaktionismus, der sich mit den sehr komplexen mehrdimensionalen Interaktionen zwischen Subjekten beschäftigt.

  • Die Abstrakten Figurationen basieren auf der Grundannahme, dass die Bedeutung von sozialen Beziehungen im symbolisch vermittelten Prozess der Interaktion hervorgebracht wird.

Jede soziale Interaktion und so auch die der Abstrakten Figurationen besteht aus Elementen, die zueinander in direkter Beziehung stehen. Sie vermitteln zwischen zwei Instanzen, dem Symbolischen Interaktionismus und dem Rezipienten.

Diese Relationen bedeuten immer auch ein wechselseitiges Beeinflussen, die aber weit über das bloße Verhältnis von actio und reactio hinausgeht. Sie organisieren und erhalten sich durch ihre dynamische Struktur. Strukturen, die sich aus der Gestik der Abstrakten Figurationen und ihrer Beziehungsgeflechte ergeben, durch die soziale Beziehung funktionieren, entstehen und sich erhalten.

  • Der Symbolische Interaktionismus ist also ein nach theoretischen und modellhaften Prinzipien geordnetes Verhalten. Er setzt voraus, dass man die Fremdperspektive einnehmen und verinnerlichen kann, und sich selbst aus der Fremdperspektive betrachten kann.

Die sozialen Interaktionen und psychologischen Verhaltensmuster der Abstrakten Figurationen in diesem Sinn lassen sich durch die Definition zweckmäßiger Systemgrenzen von ihrer Umwelt weitgehend abgrenzen, so dass der Rezipient sie so nur noch modellhaft wahrnehmen und allein seine eigene Reaktion darauf reflektieren kann.

Diese bewusste Einschränkung der Wahrnehmung ist für das Verständnis der sozialen Interaktion unumgänglich, weil das menschliche Wahrnehmungsvermögen in seiner Auffassungsgabe systemischer Abläufe begrenzt ist.

  • Die notwendige Konsequenz dieses wahrnehmungspsychologischen Aspekt ist die bewusst künstlerisch formal vereinfachte Bildsprache der symbolischen Gestik der Abstrakten Figurationen.
  • Der Symbolische Interaktionismus, der den Abstrakten Figurationen zugrunde liegt, manifestiert sich somit in frugal strukturierten Bildzeichen und einer ikonologischen Gestik der Bildsubjekte, mit denen auch sehr komplexe und mehrdimensionale soziale und psychologische Prozesse einfach inszeniert werden.
  • Der Rezipient versteht intuitiv die zugrunde liegenden semiologischen Vorgänge. Er nimmt die Interaktionen auf der Grundlage der Bedeutungen wahr, die diese allein für ihn persönlich besitzen. Die Bedeutung entsteht dabei ausschließlich durch den Prozessverlauf des Symbolischen Interaktionismus.

Der Symbolische Interaktionismus ermöglicht es, soziale Interaktionen und psychologische Beziehungen, zumindest theoretisch, auf seine jeweils kleinsten Einheiten, die einzelnen Subjekte oder Objekte, herunter brechen zu können.

Das gemeinsame, kollektive Verhalten der Abstrakten Figurationen stellt hierbei immer das Resultat bzw. den Verlauf eines Prozesses gegenseitig interpretierender horizontaler und vertikaler Interaktionen und psychologischer Beziehungen dar.

Da der Symbolische Interaktionismus immer eine Herleitung aus eindeutigen Bewusstseinsvollzügen benötigt, wäre es falsch, ihn einfach als eine Urgegebenheit neben der einzigen wirklichen philosophischen Urgegebenheit vom Sinn als Bewusstseinsvollzug mit seinen Gehalten hinzunehmen. Man muss diese philosophische Semiotik von dem Aspekt des inhaltlichen Sinns der Hermeneutik (Deutung und Auslegung) abgrenzen.

Auf der Grundlage des ganzheitlich-phänomenologischen Konzepts des Symbolischen Interaktionismus inszenieren und dramatisieren die Abstrakten Figurationen deshalb Handlungen und Verhalten sehr bewusst als psychologische Funktion (phänomenologisch = nicht die Sache an sich ist erkennbar, sondern nur die Erscheinung).

Diese motivations- und tiefenpsychologische Interpretation sozialer Interaktionen wird dabei auf jedes gemeinsame, kollektive Verhalten der Abstrakten Figurationen übertragen und umgesetzt.

  • Da jedwedes gesellschaftliche Handeln immer von Individien ausgeht, ist es durch den Symbolischen Interaktionismus möglich, mit den Abstrakten Figurationen das Handeln und Verhalten sowohl in seinem gemeinsamen, kollektiven Charakter darzustellen, wie auch in seinem individuellen, d.h. durch die symbolischen Interaktionen einzelner Subjekte konstituierten Komponenten.
  • Die sozialen Interaktionen der Abstrakten Figurationen bestehen dabei aus und in dem gegenseitigen auf einander Abstimmen der Handlungslinien durch die Subjekte, wobei der spezifische Charakter der mehrdimensionalen Bildthemen-Handlungen in der Verbindung eben dieser selbst begründet ist und unabhängig von dem ist, was jeweils verbunden oder verknüpft wird.
  • Das Handeln und Verhalten der Abstrakten Figurationen ist somit immer die Gesamtheit der Verkettungen und auf einander Abstimmungen einzelner psychologischer Bildthemen-Handlungen der Subjekte und somit das Ergebnis einer fortwährend ablaufenden, niemals abgeschlossenen Entwicklung. Die Entwicklung verläuft als imaginäre Handlung sogar über das manifestierte Bildthema hinaus.
  • Dabei werden die Interaktionen der Abstrakten Figurationen nicht von den Werten und Normen determiniert; sondern die Werte und Normen werden erst durch die Rezipienten und deren kontinuierliches Erarbeiten von Bedeutungen in den Interaktionen der Subjekte konstituiert.

Aus diesem Grunde besitzt jede soziale Interaktion der Abstrakten Figurationen immer eine einzigartige Qualität, da die Reaktionen auf die Bild-Inszenierungen sich ständig ändern und keine Deutung wie die andere sein wird.

Der Symbolische Interaktionismus folgt in den Bild-Inszenierungen der Abstrakten Figurationen zwar scheinbaren normativen Vorgaben. Unsicherheit bei der Deutung der Bildinhalte besteht aber immer, weil die Interpretation der Verhaltensnormen durch die Rezipienten sehr unterschiedlich ausfallen kann und sich zudem auch ständig ändert.

Akzeptiert man aber die ständige Neubildung von immer wieder anderen Deutungen, auch wiederkehrende, bedeutet dies gleichsam eine ständige Verschiebung der Perspektive in der Wahrnehmung der Interaktionen.

  • Folglich ist es nicht die Bild-Inszenierung einer sozialen Beziehung, die sich einer über allem schwebenden Regel oder Norm unterordnet, sondern die Regeln und Normen entstehen dann, wenn der Rezipient für die thematisierte Interaktion eigene Bedeutungen und das Konstrukt für das Verhalten der Abstrakten Figurationen festlegt.

Gestik und Semiotik

Im sozialen Alltag werden Symbolprozesse als wesentlicher Bestandteil der sozialen Interaktionen angesehen. Deshalb ist die symbolische Gestik auch das inhaltstragende Ausdrucksmerkmal der Abstrakten Figurationen. Über sie werden die Botschaften und Inhalte vermittelt.

  • Die Inszenierung der Abstrakten Figurationen erfolgt also vor allem über die symbolische Gestik. Diese Gestik ist allgemein verständlich und plausibel, d. h., dass die Gestik der Abstrakten Figurationen in der auf sie bezogenen Identität bei den Rezipienten immer die nahezu gleichen Reaktionen und Bewertungen auslöst.
  • Der übergeordnete Sinn oder die Bedeutung der symbolischen Gestik wird dabei kulturübergreifend mit nahezu gleichen Standards interpretiert.
  • Daneben lösen sie aber auch bei jedem Rezipienten ganz individuelle und nur auf ihn bezogene wesensgemäße psychologische Reaktionsmuster aus.
  • Die symbolische Gestik stellt auf der menschlichen Alltagsebene den wechselseitigen Austausch und das Verfertigen von gemeinsamen Ideen und Gedanken dar.
  • Und so werden auch die sozialen Interaktionen durch die Gestik der Abstrakten Figurationen abgebildet, die für den Rezipienten sehr weit gefasste Bedeutungsinhalte haben und die so eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Gedanken, Gefühlen, Emotionen, Stimmungen und Affekten auslösen können.
  • Die Ebenen der Abstrakten Figurations-Sinnprozesse sind zum einen semiotische Prozesse der emotionalen und kognitiven Wahrnehmung und Verarbeitung, gleichsam aber auch der Mystik, die von der Annahme bzw. Erfahrung einer Eigenaktivität des von Anfang an vorausgesetzten Sinnes ausgeht.
  • Somit spielt die Mystik bei der Erschließung des systemischen Wahrnehmungskreislaufs der Abstrakten Figurationen eine wichtige Rolle. Denn nur bei der mystischen Gestik ist die Einseitigkeit des Verhaltens über die Vorstufen der sozialen Gegenseitigkeit, sowie des künstlerischen Prozesses hinweg, aufgehoben.

Da nahezu alle sozialen und psychologischen Beziehungen eine starke emotionale Komponente haben, ist eine rationale Darstellung des Sinngehalts nur sehr begrenzt darstellbar.

Daraus ergibt sich, je logischer oder wertrationaler orientiert die Themeninszenierungen der sozialen Interaktionen und psychologischen Beziehungen ihrem allgemeinen Charakter nach sind, um so schwieriger lässt sich deshalb für den Rezipienten der wahre emotionale Sinngehalt einer sozialen Beziehung erfassen.

Deshalb werden bei den Abstrakten Figurationen die Interaktionsprozesse bewusst nur mit symbolischer Gestik der handelnden Subjekte dargestellt. Die durch ihre Vieldeutigkeit sich einer nur vernunftsgeleiteten Bewertung weitgehend entziehen.

Die Modellierung der sozialen Interaktionen wird dabei von den Aspekten der thematisierten Beziehungen abstrahiert. Die Darstellungen und Bildthemen werden allein durch die Gestik der Abstrakten Figurationen in den Vordergrund gestellt.

  • Je nach dem, was bei einer sozialen Interaktion abstrahiert wird und welche Funktionen der Beziehungsebene in den Vordergrund gestellt werden, entstehen so unterschiedliche Interaktionsmodelle mit sehr verschiedenartigen Wirkungsfeldern.

Auf diesen teilweise ungleichen Ebenen und Wirkungsfeldern spielt die symbolische Gestik der Abstrakten Figurationen eine sehr meinungsleitende Rolle, ohne aber nur bloß eine positive oder negative Gegebenheit zu bleiben oder gar eigene Unhintergehbarkeit zu beanspruchen.

In den Dramatisierungen der Bildthemen wird die Gestik bei den Abstrakten Figurationen im Sinne von interaktiven Bewegungen Lautsprache substituierend eingesetzt.

  • Dabei wird zum einen zwischen lexikalisierter Gestik unterschieden, also solcher, die wie Sprache funktioniert und als Symbole gelernt worden sind, und die, wie bei der abstrahierten Gestik, nicht kulturell abhängig sind.
  • Und zum anderen die ikonische Gestik, die die Wirklichkeit in abstrahierter Form abbildet, indem sie sowohl die Handlungen wie die Subjekte symbolisch darstellt oder in einer farb- und raumsymbolischen Bedeutung im Raum anordnet.
  • Somit referiert sich die Gestik der Abstrakten Figurationen nicht nur auf konkrete Dinge, sondern auch auf metaphorische oder diskursive.
  • Die Gestik der Bild-Inszenierungen wird dabei immer sowohl als affektiver Ausdruck von Gefühlen, wie aber auch von rational gesteuertem Verhalten wahrgenommen.
  • Da Gestik außerdem abstrakte und unbewusste Strukturen, wie auch bildhafte konkrete Vorstellungen zum Teil viel unmittelbarer abbildet, als dies lautsprachlich möglich ist, gibt die Gestik der Abstrakten Figurationen einen allgemein verständlichen, sehr tiefgehenden psychologischen Einblick in die sehr komplexe mentale und emotionale Reziprozität der sozialen Interaktionen und psychologischen Beziehungen.

Die sozialen Interaktionen und psychologisch determinierten Beziehungen der Abstrakten Figurationen können aufgrund vereinbarter sozialer Konvention und persönlicher Erfahrungen des Rezipienten überdies auch als Zeichen-Trichotomien (Dreiteilung) aufgefasst werden, die in gewisser Hinsicht immer für etwas oder für jemanden stehen.

  • Die Gestik der Abstrakten Figurationen bilden zu guter Letzt die Bausteine logischer Kalküle. Deren wesentliche Eigenschaften bestehen gerade darin, dass logische Schlussregeln ausschließlich auf symbolhafte Gestik zurückgeführt werden.
  • Der Bezug auf eine Wirklichkeit, ein Bezeichnendes, ist innerhalb des Kalküls nicht sofort vorhanden. Er ergibt sich erst durch die psychologische Interpretation der Gestik.

Projektionen und Identifizierung

  • Die Abstrakten Figurationen dramatisieren aus sozialwissenschaftlicher Sicht, wie wir oben ausgeführt haben, die Grundlagen horizontaler und vertikaler sozialer Interaktionen und psychologisch determinierter Beziehungen sowie die Handlungsbasis auf der die Interaktionsprozesse basieren.

Mit ihnen wird die Dynamik mehrdimensionaler sozialer und psychologischer Beziehungen allein durch Interaktions- und Kommunikationsprozesse erklärt.

Die thematisierten emotionalen Dramatisierungen der Abstrakten Figurationen sind komplexe soziale Interaktionen und psychologische Beziehungen, die parallel auf verschiedenen psychologischen Wahrnehmungs- und Funktionsebenen ablaufen.

  • Ihnen wird eine Gerichtetheit der Interaktionen und Beziehungen sowie ein Bewusstsein zu Grunde gelegt, dass die Abstrakten Figurationen sowohl als Verhaltende wie auch als Handelnde vom Rezipienten erlebt und auch gedeutet werden.
  • Die Bildinhalte der Abstrakten Figurationen vermitteln eine wichtige Erkenntnis, dass selbst bei sozialen Konflikten die Beiderseitigkeit trotzdem immer gegeben sein muss.
    Denn nicht nur bei harmonischen sozialen Beziehungen, sondern auch bei sozialen Gegensätzlichkeiten gibt es zwangsläufig immer ein unausweichliches aufeinander bezogen Sein, das das beiderseitige Handeln entscheidend beeinflusst und dem man sich nicht entziehen kann. Es sei denn, man ignoriert und leugnet grundsätzlich die sozialen Gegebenheiten.

Mit den Abstrakten Figurationen werden sehr vielfältige und reziproke Sinngehalte sozialer und psychologischer Beziehungsebenen dargestellt. Der perennierende Sinngehalt der sozialen Interaktionen und psychologischen Beziehungen wird dabei in Maximen formulierbar.

Die Abstrakten Figurationen inszenieren dazu vorübergehende oder dauerhafte soziale Beziehungen mit Sinn entsprechendem Verhalten. Das Bestehen einer wahrgenommenen sozialen Beziehung in den Bildinhalten bedeutet also ausschließlich und allein, dass für den Rezipienten aufgrund einer bestimmten gearteten Einstellung, in einem durchschnittlich gemeinten Sinn, nach einer ungebbaren Art gehandelt wird und sonst gar nichts.

Dabei entstehen vielschichtige Sinnzusammenhänge, in denen Idealzustände formuliert oder Probleme wahrgenommen und gelöst werden. Die sozialen Interaktionen der Abstrakten Figurationen sind unterdessen nicht losgelöst von der Realität, denn die Interaktionen finden fortgesetzt in symbolischen Bild-Inszenierungen statt, durch die sie immer wieder aufs Neue bestimmt werden. In Bezug auf einen Interaktionsprozess sprechen wir deshalb auch von einer Interaktionssituation.

  • Der symbolische Sinngehalt der Bilder bezieht sich dabei bewusst nicht auf einen normativ richtigen oder metaphysisch wahren Sinn. Denn jeder Rezipient findet in den sozialen Interaktionen einen anderen auf sich selbst bezogenen Sinngehalt.

So lösen die Themen der Bilder, je nach persönlicher Betroffenheit, immer mehr oder weniger emotional-evaluative Reaktionen und evaluative Bewertungen aus, die sich auch an den eigenen sozialen und psychologischen Erwartungen, Wünschen und konkreten Verhalten des Rezipienten orientieren. Was für sein soziales Verhalten und die Gestaltung seiner sozialen Beziehung unter Umständen Konsequenzen haben kann.

  • Voraussetzung für das Gelingen von sozialen Interaktionen ist die Fähigkeit zur Perspektiven-Übernahme. Diese Auffassung von Interaktion vertritt gegen das normative Paradigma (Beispiel, Muster) das interpretative Paradigma.
  • Bezugspunkt der Perspektiven-Übernahme ist dabei die überzeugende Inszenierung des Symbolischen Interaktionismus, denn die Orientierungsgrundlage für die aktiven Imaginationen sind antizipierte Handlungen, der Übergang von der spielerischen Übernahme einer Rolle, die von den Abstrakten Figurationen dramatisiert wird, zur Rolle, die für das Identitätsbewusstsein entscheidend ist.
  • Dazu gehören alle Rollenerwartungen, Werte und Verhaltensweisen, die durch die Abstrakten Figurationen beim Rezipienten geweckt werden. Die Inszenierung der sozialen Interaktionen sprechen dabei ein weites Spektrum an, welche imaginären Spiel- und Handlungsfreiräume ihm in den diversen Rollen offenstehen, wie er die gesellschaftlich vorgegebenen Rollen erlernen, verinnerlichen und ausfüllen kann.
  • Dabei läuft der Vorgang, eine imaginäre Rolle zu übernehmen, nach einem Universalisierungsprinzip unbewusst ab und entzieht sich einer bewussten Beeinflussung dieses tiefenpsychologischen Prozesses.
  • So werden die Interaktionen der Abstrakten Figurationen unterschwellig als ein permanenter Prozess des Handelns und Reagierens wahrgenommen, in dem Ego und Alter reziprok die vermuteten Rollenerwartungen der Figurationen übernehmen oder ablehnen, darauf reagieren und weitere Wahrnehmungen antizipieren.
  • Dazu kommt, die wechselseitigen Interpretationen definieren die Situation, bestimmen, worum es geht oder nicht gehen soll, und lösen damit weitere persönliche Reaktionen der Rezipienten aus.
  • Wie oben ebenfalls schon ausgeführt, stellen die Abstrakten Figurationen also die Verhaltensweisen von Subjekten dar, die sich auf die Reaktionen gegenüber anderen Subjekten oder Objekten beziehen, ihr Sozialverhalten, in Abhängigkeit von dem zu regulieren, entweder was sie selbst von anderen wollen oder was andere von ihnen erwarten bzw. wie sie auf Botschaften reagieren. Sie sind somit ein Mittel zum Erlangen von sozialen und psychologischen Wissen und Erkenntnissen.
  • Erst die Wahrnehmung sozialer Interaktions- und psychologischer Beziehungsprozesse erlaubt es einem Rezipienten, die Informationen so in einem Kontext zu setzen, dass sie für ihn Bedeutung erlangen und er daraus ein Modell des eigenen Verhaltens ableiten und erstellen kann.
  • Soziale Wirklichkeit ist etwas dynamisch Prozesshaftes, das durch das Symbolverhalten der Abstrakten Figurationen und durch die darauf bezogenen Interpretationen von dem Rezipienten imaginär reproduziert wird.
    Dies zeigt wie soziale Wirklichkeit und einzelne soziale Phänomene mit einander interagieren und wie gesellschaftliche Phänomene erzeugt und institutionalisiert werden. Dabei geht es allein nur um die Darstellung von sozialem Handeln und Verhalten, und nicht um die Suche nach Ursachen und Wirkungen.
  • Infolgedessen ist also allein die Wahrnehmung sozialer Interaktion und psychologisch determinierter Beziehungen eine wichtige Möglichkeit, soziale und psychologische Erfahrungen zu machen.
  • Durch die fiktive Übernahme des Verhaltens der Abstrakten Figurationen entwickelt sich bei den Rezipienten über das inszenierte Bildthema eine ideelle Identität. Denn die Identität eines Menschen manifestiert sich immer aus elementaren Identitäten, die den verschiedenen Aspekten der sozialen Interaktionen und psychologisch determinierten Beziehungen entsprechen.
  • Auch die Struktur der selbst nur imaginären Identität ist demzufolge immer eine Spiegelung realer sozialer Interaktionen und psychologisch determinierter Beziehungen. Eine eigene gefestigte Identität zu finden, ist somit nur möglich, wenn man in einer sozialen Gemeinschaft oder in einer gesellschaftlichen Gruppe lebt.
  • Es gibt keine Identität ohne Berücksichtigung der sozialen Ordnung und Strukturen, aber man kann auch nicht sagen, dass die Identität nur in der Organisation gesellschaftlicher Haltungen oder struktureller Vorgaben existiert.
  • Denn es gibt auch einen individuellen Raum, der ebenso zur Bestimmung des Handelns eines Menschen beiträgt. Phasen des Selbst im inneren Dialog mit den Bildinhalten der Abstrakten Figurationen bieten Raum dafür.

Henner J.H. Ertel, München, den 21. Juni 2005